Der neue Bildungsweg – Ein Vorschlag zu alternativer Berufsausbildung (mit konkreten Schritten zur Umsetzung)

Der Weg nach Oben

Ok, das ist ein mutiger Post und ich bin mir sicher, dass hier einige Leute die Heugabeln und Protestschilder rausholen und protestieren. Fair enough, kein Problem. Denn was ich euch vorstellen möchte ist nicht der typische Karriereweg und dieser wird auch selten gegangen. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und misstraut erst einmal allem Neuem. Aber ich kann euch nur raten dem Gedankenspiel (und es gibt auch Leute die damit erfolgreich waren) hinzugeben und es einmal selbst durchspielen.

Also worum gehts?

Es geht um die Frage, wie man einen alternativen Einstieg in das Berufsleben erreichen kann, der kein Studium oder Ausbildung voraussetzt. Es geht um den Selbstbestimmten Bildungsweg.

Was sind meine Annahmen?

1) Für (die meisten) Jobs in der freien Wirtschaft braucht man kein Studium, da die Tätigkeiten die man ausführt nichts mit dem Studium zu tun haben. Ausnahmen sind technische Berufe, wie Ärzte, Architekten, Bauzeichner oder Anwälte. Obwohl selbst in einigen technischen Berufen ein alternativer Weg möglich ist, welcher jedoch mehr Aufwand und Passion erfordert.

2) Die Berufe die ich meine, sind Berufe die vor allem in wirtschaftlich-orientierten Organisationen nötig sind. Haupttätigkeiten in diesen Firmen sind: Verkauf und Produktion. Unterstützende Tätigkeiten sind Verwaltung von Geld, Personal, Stakeholdern und IT-, Logistik-, oder Produktionssysteme.

3) Die Zeit die man für ein Studium investiert sind mindestens 3 Jahre. Die Ausgaben die man für da Studium hat sind ca. 800€ pro Monat, die sich Leute durch BAFöG, Eltern oder Nebenjobs. Das wären dann also 800€*36= 28.800€ + eventuell noch Studiengebühren. Kosten wie Krankenkasse und Versicherung können noch über die Eltern abgerechnet werden.

4) Ein Großteil der Absolventen müssen nach Ihren Abschluss noch 1-3 Jahre Praktika machen, da sie keinerlei praktischer Erfahrung haben. Ihre Zeit zwischen Schulabschluss und finanzieller Stabilität sind also 4 -6 Jahre.

Auf welche Quellen stütze ich mich? 

Leute wie Tim Ferris, Ben Paul von Anti-Uni.com, Josh Kaufmann, Seth Godin oder Michael Ellsberg. Davon abgesehen, meine eigenen Erfahrungen und Gespräche mit Dutzenden Leuten über alternative Bildung.

Ok, here we go.

Wenn du aus der Schule kommst und gerade dein Abitur gemacht hast, dann hast du eigentlich nur den Weg an die Uni zu gehen. Oder wenn du echt keine Lust mehr auf Lernen haben solltest (und dann solltest du dein Mindeset überdenken) machst du eine Ausbildung oder machst im besten Falle noch einige Jahre Work and Travel vorher. Doch es gibt noch einen 3. Weg und der bedeutet, deine Ausbildung und deine Karriere in deine Hand zu geben.

Phase 1 – Lernen von Theorie und Orientierung

Stell dir vor du würdest nach deinem Abi einen Job annehmen wie Kellner, Türsteher, Kassierer oder Gärtner bei dem du 20h die Woche tauschst gegen knapp 700€ mit denen du Miete, Essen, Kleidung und so weiter bezahlen kannst. Die restlichen 20- 40h in der Woche investierst du in Lesen und praktisches Lernen. Du baust dir eine Lernroutine auf mit Büchern, Seminaren, Mastermindgruppen und praktischen Tests, mit der Stück für Stück lernst. Inhaltlich lernst du:

1) Wie Unternehmen funktionieren mit z.B. den Büchern 100$ Start-Up, Kopf schlägt Kapital oder Lean Start-Up,

2) Wie erfolgreiche Menschen denken, handeln und wie sie erfolgreich wurden durch Biografien z.B. Mahatma Gandhi, Steve Jobs oder Nelson Mandela,

3) Skills wie Programmieren, Verkaufen, Design, Online-Marketing, Zielsetzungen, Schreiben oder Ton-und Videobearbeitung. (Man sollte sich eigentlich in allen weiterbilden, aber auch klare Kernkompetenzen bilden)

Diese reine Lernphase kann 6 – 8 Monate lang gehen. In der Zwischenzeit hast du praktisch den selben Lebensstandard wie deine Kollegen die den Weg an die Uni gewählt haben. Du wohnst in einer WG, lernst, arbeitest und hast Zeit und ein bisschen Kleingeld um auf Partys zu gehen.

Schwerpunkt in der Zeit sollte darin liegen zu verstehen, welche Bereiche in einem Unternehmen gebraucht werden, zu identifizieren welche besonderen Kenntnisse in dem Bereich gefordert sind und dann diese mit Techniken oder Programmen erlernen.

Phase 2 – Praktisches Lernen

Gegen Ende der Lernphase, wenn du heiß darauf bist alles theoretische auszuprobieren, geht es über in die praktische Lernphase. Hierbei nimmst du dir ein Praktikum bei einem Start-Up. Bei Start-Ups wird in aller Regel nicht auf den Lebenslauf geschaut und gerade in den ersten Monaten befindet man sich in der Chaosphase in der jede Hilfe benötigt werden kann. Versuche ein Vielzahl von Unternehmen zu kontaktieren die dich thematisch interessieren und bei denen du hinter der Idee stehst. Das kontaktieren und die anschließenden Vorstellungsgespräche sind enorm wertvoll. Deine Kollegen von der Uni müssen das auch machen, nur machst du es schon nach einem halben Jahr und nicht erst nach 3-5 Jahren. Je öfter du ein Gespräch hast, desto besser wirst du darin dich selbst überzeugend rüberzubringen. Und auch die Fähigkeit Ablehnungen zu erhalten muss geübt werden.

Dein Anschreiben könnte in etwas so aussehen:

Hallo ….,

ich würde mich gerne bei euch für ein 3-6 monatiges Praktikum bewerben, um euch zu unterstützen und mehr praktische Erfahrung zu sammeln. In den letzten 6 Monaten habe ich mich jeden Tag intensiv mit dem Bereich _______ (Ausfüllen mit Themengebiet) auseinandergesetzt und unter anderem Techniken und Tools wie: ___________ (Fähigkeiten einfügen die du gelernt hast und in dem Unternehmen Anwendung finden könnten) gelernt.

Ich bin mir sicher, dass ich euch in dem Bereich unterstützen kann mit meinen Fähigkeiten und diese ausbauen kann. Auf alle Fälle finde ich euer Produkt/ Projekt großartig und würde einfach gerne mehr darüber erfahren. 

Ich würde mich freuen euch in einem persönlichen Gespräch kennenzulernen.

Beste Grüße

_______

Die zweite Phase dauert ca. 6 – 9 Monate und man sollte zwei Praktika machen oder ein Praktikum mit wechselnden Aufgabenfeldern. Sollten sie Bedarf haben an deinen Fähigkeiten, handelst du folgendes aus: Entweder sie lassen dich für 20h die Woche arbeiten ohne Bezahlung, aber du kannst deinen Nebenjob weiter ausführen, oder sie zahlen dir das selbe Gehalt wie für deinen Nebenjob für ein Vollzeitpraktikum.

Ein Tipp hierbei ist, dass es leichter ist Start-ups zu überzeugen solch einen Deal zu machen, wenn du ihnen klar machen kannst, wie du das Geld pro Monat mindestens wieder reinholst. Relativ einfach ist es im Bereich Sales. Wenn du z.B. 5 Kunden bekommst die insgesamt 1000€ zahlen und die Kosten für das Produkt oder Dienstleistung bei ca. 30% liegen, dann sind die 700€ für deinen Lebensunterhalt locker gedeckt. Aber auch wenn du gut im Designen von Dingen bist, kannst du argumentieren z.B. eine Corporate Identity zu gestalten. Anstatt die Firma dann 3.000€ zahlt für einen Profi, machst du es in einem Monat für 700-1000€. Fairer Deal oder?

Phase 3 – Erhöhe deinen Wert und bilde deine “Brand“

In der zweiten Phase solltest du richtig gas geben. Bringe dieses Unternehmen voran. Versuche deren Umsatz zu steigern und die Produkte signifikant zu verbessern. Nebenbei solltest du deine Lernroutine aufrechthalten und weiter Bücher lesen, Seminare besuchen oder Mastermindgruppen beitreten. Versuche besser zu werden in den Bereichen, in denen du dem Unternehmen am meisten nützen kannst. Wenn dein Praktikum zu Ende ist verhandle mit deinen Boss über eine Anstellung. Je nach Unternehmen und vorheriger Vereinbarung, verhandle dass du nun ein Gehalt bekommst von dem du Leben kannst und eine richtige Festanstellung. Solltest du vorher gute Arbeit geleistet haben, sollte das Unternehmen dies auch stemmen können.

Hast du das geschafft, hast du deine erste feste Anstellung und bist damit schon weiter als deine Kollegen aus der Uni, wenn sie fertig sind.

Nachdem du erste richtige Berufserfahrung aufweisen kannst, erhöhe deinen Wert als Experten. Tue dies in dem du anfängst einen Blog zu schreiben, Seminare zu geben oder Vorträge zu halten.

Du denkst niemand interessiert sich für das was du zu erzählen hast und du kannst sowas nicht?

Bullshit!

Wenn du dich 1 – 1,5 Jahren intensiv mit einem Thema beschäftigt hast, dann bist du garantiert ein Experte! Das Ziel hinter der Aktion dich als Experte zu positionieren ist, dass du deine eigene Brand bildest. Hier ein Zitat von Seth Godin:

I think if you´re remarkable, amazing or just plain spectacular, you probably shouldn´t have a resume at all… If you don´t have a resume, what do you have? How about three extraordinary letters of recommendation from people the employer knows or respects? Or a sophisticated project they can see or touch? Or a reputation that precedes you? Or a blog that is so compelling and insightful that they have no choice but to follow up? Some say, “well, that´s fine, but I don´t have those.” Yeah, that´s my point. If you don´t have those, why do you think you are remarkable, amazing or just plain spectacular? It sounds to me like if you don´t have those, you´ve been brainwashed into acting like you´re sort of ordinary. Great jobs, world class jobs, jobs people kill for … those jobs don´t get filled by people e-mailing in resumes. Ever.

Fange an einen Blog zu schreiben und den zu verbreiten. Du kannst kostenlos Seminare oder Workshops anbieten. Durch diese Aktivitäten erweiterst du dein Netzwerk, erhöhst deinen Marktwert und kannst diese später sogar monetarisieren.

Phase 4 – Entscheidung

Mit der Arbeitserfahrung und den Resümees aus dem Job kannst du nun weitergehen und höheres Gehalt verhandeln. Wenn das Start-up wächst durch dich und du von Anfang an dabei bist, bist du einer der ersten die davon profitieren. Sollte das nicht möglich sein, hast du die Möglichkeit dich bei anderen Unternehmen zu bewerben. Du hast es geschafft dem Unternehmen einen großen Mehrwert zu geben und das schaffst du auch für jedes weitere Unternehmen. Mit dem Beweis, kannst du leichter größere Unternehmen überzeugen. Klar wird nicht jeder Arbeitgeber das Spiel mitspielen. Aber wenn du 200 kontaktierst und 5 sind dafür offen, kannst du dir dein Gehalt fast selbst bestimmen.

Außerdem hast du in Phase 3 dir auch Wege eröffnet wie du selbstständig Geld einnehmen kannst. Durch einen Blog hast du die Möglichkeit eigene Produkte anzubieten. Die Seminare die du anfänglich noch kostenlos gegeben hast am Wochenende, kannst du nun gegen Geld halten. Du hast also die Möglichkeit ein Business aufzubauen welches komplett auf deiner Expertise aufbaut. Damit hast du volle Kontrolle über deine Finanzen.

In der Phase 4 hat dich der Selbstbestimmte Bildungsweg also so weit gebracht, dass du dich entscheiden kannst zwischen der Selbstständigkeit und dem Aufsteigen in Unternehmen. Beide Wege sind selbstbestimmt und unter deiner vollen Kontrolle. Wieso? Weil sie davon abhängig sind welche Kernkompetenzen du dir aneignest. Deine Kollegen im Studium haben in der Zwischenzeit im Durchschnitt in 50% ihrer Fächer die Inhalte einfach nur auswendig gelernt durch Bulimie-Lernen. Nach spätestens einem Jahr behalten Sie vielleicht 1/5 des Inhaltes. Du konntest in allen Themengebieten die du dir angelernt hast, praktische Erfahrung sammeln und schauen ob die Welt wirklich so funktioniert. Wenn du Kontrolle hast über dein Wissen, kannst du dies auch auf dich und deine Ziele und Persönlichkeit anpassen. So wirst du automatisch richtig gut in dem Thema und wer will nicht gerne mit richtig guten Leuten zusammen arbeiten?

Zweifel?

Du denkst jetzt vielleicht, dass es ja ganz nett ist was du uns hier vorschlägst, aber was ist wenn es nicht klappt?

Mach dir ein Worst-Case Szenario. Ich würde es zum Beispiel so sehen:

Wenn du irgendwann an eine Decke stößt und merkst, dass du nicht in Führungspositionen oder an welche Stelle auch immer du kommst, dann kannst du immer noch Studieren. Allerdings weißt du in der Zwischenzeit genau wie die Wirtschaft funktioniert und was du willst. Dein Studium wird nun aber einen sehr viel höheren Wert haben. Zurückfallen in den fremdbestimmten Bildungsweg kannst du immer! Wenn du merkst, dass du lieber mit dem Strom gleitest und dich in dieser Sicherheit wohler fühlst, dann kannst du immer auf dem Strom aufspringen.

Zudem werden die meisten Absolventen einen ähnlichen Weg gehen nach dem Studium und nachdem sie schon ca. 30.000€ und 3-5 Jahre investiert haben. Den Vorsprung den du hast, kannst du als Vorteil nutzen da du so mehr Zeit und Kontrolle hast. Wenn du Lust hast ein Jahr zu reisen und Work- and Travel zu machen, dann hast du alle Freiheiten dazu. Niemand zwingt dich wieder zurück in den Hörsaal, damit du auch möglichst schnell wieder aus dem Bildungssystem ausgespuckt wirst.

Fazit:

Mit dem Artikel hoffe ich anzuregen, dass Bildung, Ausbildung und persönliche Entwicklung besser unter eigener Kontrolle, anstatt unter Kontrolle von Universitätsdekanen liegen sollte. Der vermeintlich sichere Weg ist nicht in allen Fällen der sicherere Weg und oftmals schon gar nicht der, der zu Glück und Wohlstand führt. Für mich bedeutet Sicherheit, 100% Kontrolle zu haben über meine Entwicklung und diese selbst zu bestimmen. Wie ist es bei dir?

Euer Kevin

 

Ein Gedanke zu „Der neue Bildungsweg – Ein Vorschlag zu alternativer Berufsausbildung (mit konkreten Schritten zur Umsetzung)

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