Lernroutinen – Wie man ohne Qual effektiv lernt (und wie ich das anwende im Alltag)

Lernen ist eine Sache für sich und eines meiner Lieblingsthemen. Doch die meisten Menschen verbinden mit dem Thema Lernen eine Stresssituation und keinen Spaß. Alle sind froh, wenn sie den Horror der Schule überstanden haben nach 10 oder 12 Jahren. Dann gibt es noch die, die sich 3-7 Jahre oder gar noch länger „weiterquälen“ im Studium oder in der Ausbildung. In Schule und Studium gibt es eine Autorität, die bestimmt, was wir wann lernen sollen, ohne darauf zu achten, ob wir dies überhaupt wollen. Im Gegenzug zu unseren Qualen bekommen wir gerade mal ein Stück Papier mit unseren Lernleistungen in ungeeignetem Code zusammengefasst. Verständlicherweise ein grausamer Deal.

Doch lernen macht Spaß und ist eigentlich einer der coolsten Sachen der Welt. Für jeden, der diese Ansicht mit mir teilt, habe ich eine Infografik, samt Erläuterungen vorbereitet. Ziel ist es, das Lernen in eine Lernroutine zu fassen, um quasi automatisch zu lernen ohne Qualen.

Lernroutinen - Infografik

1. Einstellung

Ich sehe mich selber als Lernender. Als jemand der stetig lernt und sich weiterbilden möchte.

Mit diesem Selbstbild kann ich natürlich auch sehr leicht eine gute Einstellung zum Lernen aufbauen. Die altbekannten Sprüche: „Man lernt nie aus.“ oder „Wer aufgehört hat zu lernen, der hat aufgehört zu leben.“ haben definitiv ihre Daseinsberechtigung. Dementsprechend gibt es bei mir nie Zeiten, an denen ich keine Lust auf Lernen habe. Wie auch? Ich bin ja ein Lernender, also was sonst soll ich machen als zu lernen?

2. Stelle Fragen und Höre zu

Bis vor der Verbreitung von Büchern als Massenprodukt ab den 1930ern, war die mündliche Kommunikation und der Dialog, der wichtigste Kanal zum Lernen. Heute, da wir so schier unendliche Möglichkeiten und Medien haben, erscheint uns dieser Kanal nicht mehr als besonders wichtig. Den Dialog als Lerntool kann man am besten forcieren, in dem man Tip 3 beherzigt und aktiv Fragen stellt zu dem Lern-Thema an andere Lerner oder an Experten. Dass man daraus etwas lernt, ist dann fast ein Naturgesetz.

3. Aktive Lernumwelt

Wie kann man nicht besser werden in einem Themengebiet, wenn man sich ständig mit Leuten und der Umwelt umgibt, die schon weiter im Lernprozess sind? Hey,… das geht nicht.

Wenn du besser in programmieren werden willst, dann halte dich in Tech-Foren auf. Wenn du besser Fußball spielen willst, dann geh zum nächsten Fußballfeld und spiel mit Leuten, die besser sind als du. Das geht in die Richtung Mentorship, aber der Ansatz, als Lernroutine ist pro-aktiver. Suche Möglichkeiten in denen du dich wirklich regelmäßig in eine optimale Lernumwelt bringst. Ich zum Beispiel besuche regelmäßig Seminare und Workshops, in denen ich mit Leuten zusammen bin, die das Selbe lernen wollen, wie ich und man aktiv Dinge ausprobieren kann. In den letzten Monaten war ich zum Beispiel des Öfteren im FabLab Berlin und bin nun in der Lage einfache 3D Modelle zu bauen und diese auszudrucken auf 3D Druckern.

4. Lese täglich

Wenn man in der Woche ein Buch liest, welches einen weiter bringt, dann schafft man ungefähr 50 Bücher im Jahr und 500 Bücher in 10 Jahren. Wieder muss ich sagen, dass es fast ein Naturgesetz ist, dass wenn man so viele (gute) Bücher liest, man nur richtig gut in mindestens einem Gebiet werden kann.

Es ist für mich mittlerweile zu einem festen Bestandteil geworden und einer meiner Lieblingsmomente am Tag. So habe ich es mir zur Aufgabe gemacht morgens beim Frühstück und darüber hinaus min. 1h zu lesen. Das inspiriert mich für den ganzen Tag und besonders für Tip 3. Da ich morgens eh noch nicht richtig wach bin und keine Lust habe mit anderen zu reden, ist dies ein wunderbar effektiver Weg, um langsam wach zu werden. Zusätzlich schaffe ich meistens noch eine Stunde am Abend in der ich lese und am Wochenende können es auch mal 3-4h werden.

Werde zum Bücherwurm und habe immer ein Buch an dem du arbeitest!

5. Handle und teste regelmäßig

Man lernt am besten, in dem man möglichst viele Sinne anspricht. Das wird uns schon in der Schule erzählt, aber trotzdem vernachlässigen wir diesen Ratschlag zu oft. Die meisten lernen – und das nehme ich vor allem aus meiner Zeit im Studium – nur über einen Kanal. Manchmal wird zwar gelesen, aber es wird nicht darüber gesprochen. Manchmal werden diese beiden Sachen gemacht, aber es wird das Handeln vergessen. Dabei ist dies der wichtigste Schritt, da dieser in den meisten Fällen vor dem Verstehen kommt.

Mache es dir zur Aufgabe, dass du dir selber Hausaufgaben und Miniprojekte in deinen Lerngebieten setzt. Setze diese Aufgaben, so dass du sie wahrscheinlich nicht erreichst. Denn das Ziel ist es Fehler zu machen und daraus zu lernen.

„Fail often, fail forward“ (aus Bold, Peter H. Diamandis)

Für mich ist zum Beispiel dieser Blog der praktische Part meines Projektes „Online Marketing und Sales“. Für mich sind somit praktische Teile meiner Lernroutine eher Spaß und kein Stress.

 6. Gehe regelmäßig an deine Grenzen

Gelernt habe ich das im Sport. Erst wenn man ab und an seine Limits kommt, kann man sich effektiv (also mit möglichst wenig Zeitaufwand) steigern. Im Sport ist es dann recht intuitiv, dass z.B. die Ausdauer besser wird, wenn man seinen ersten Marathon gelaufen ist. Beim Lernen von eher geistigen Fähigkeiten erscheint dies weniger intuitiv, ist aber genauso wichtig!

An die Grenzen gehen bedeutet dabei vor allem aus seiner Komfortzone rauskommen . Du willst besser werden im Sprechen? Dann musst du auch mal eine Rede halten vor 20 – 50 – 100 -1000 Leuten. Nur so kannst du deine Komfortzone ausweiten und die Messlatte höher setzen. Je öfter du das machst, desto schneller kannst du deine Lernziele erreichen.

7. Führe Tagebuch

Oh Ja!

Auch wenn das nach dem Hobby von Mädchen in der Grundschule klingt, ist es ungemein wichtig! Wie sonst solltest du deinen Lernfortschritt festhalten und die Schritte, die du auf dem Weg dahin gehst? Da das Tagebuch nur für dich allein ist, dient es natürlich einzig und allein der Selbstreflexion.

Praktisch kann das dann so aussehen, dass du einen A5 Block hast, den du auch mal auf Reisen mitnehmen kannst. Dort nimmst du dir pro Tag eine Seite und ziehst einen waagerechten Schritt in der Mitte. Auf die obere Hälfte schreibst du morgens deine Ziele für den Tag. Ich ergänze das auch gerne mit einem Lebensziel von mir, welches ich jeden Tag aufschreibe. Die Ziele sollten nicht mehr als 5 Punkte enthalten und ausgewogen sein zwischen privaten und eher beruflichen Zielen. Am Ende des Tages schreibst du dann die 5 wichtigsten Dinge auf, die du heute geschafft hast. Sei ehrlich zu dir in dem Schritt, denn nur so siehst du, ob du wirklich diszipliniert an deinen Zielen arbeitest und deine Lernroutine aufrecht hältst.

8. Richtige Tools

Der Punkt klingt eigentlich banal, aber er ist dennoch so wichtig. Zuerst habe ich den Punkt gehört in „Learn everything fast“ von Josh Kaufmann, welches ich jedem Lerner wärmstens empfehle. Es besagt nichts anderes als dass wenn man etwas neues lernen möchte möglichst früh im Lernprozess die Tools oder die Materialien dazu besorgen soll. So schafft man möglichst schnell den Sprung vom Theoretischen in das Praktische. Bei manchen Sachen scheint es sehr intuitiv: Wenn ich Gitarre lernen möchte, brauche ich eine Gitarre. Wenn ich Fußball spielen lernen möchte, dann brauche ich einen Ball und eine Fußballmannschaft.

Leider machen zu viele Leute den Fehler, dass sie etwas theoretisch lernen ohne die richtigen Tools und dann das Gelernte schnell wieder vergessen. Ein Beispiel sind hier für mich zum Beispiel Tricks beim Gärtnern. Hier habe ich schon einiges drüber gelesen und in Theorie sollte ich einen wunderschönen Garten haben. Da ich allerdings das Gelernte nicht gleich an einem eigenen Garten ausprobiert habe, war alles gelernte schnell wieder vergessen.

Hier ist es natürlich wichtig, dass man sich die Tools die man braucht selbst aneignet. Allerdings können diese auch geliehen werden. Man teilt sich diese dann mit anderen oder sie sind gar Commons, also öffentlich zugängliche Güter. Mache es also zur Aufgabe in deiner Lernroutine immer zu überprüfen ob der Zugang zu praktischen Trainingsgegenständen dich gerade behindert im Lernprozess oder nicht. Falls ja, ändere das möglichst schnell!

9. Mache Lern-Urlaub

Scheinbar der schönste Punkt in der Lernroutine und der, der nichts mit Lernen zu tun hat. Doch er ist wirklich wichtig, da man sich auch schnell ausbrennen kann an einem Thema. Im Ausdauersport ist es mittlerweile Commonsense geworden, dass die Regeneration genauso wichtig ist, wie die Trainingseinheiten. Genauso muss es auch beim Lernen sein.

Es ist demnach wichtig sich regelmäßig Pausen von einem Lernthema so gönnen. Diese können auch gerne 3-5 Tage gehen. Wenn die Motivation am Thema hoch genug ist, kann man es dann irgendwann kaum abwarten wieder anzufangen die nächsten Schritte im Lernprozess zu gehen. Versuche, wenn du wieder startest mit dem Lernen, den ganzen bisherigen Lernprozess und alles was du noch schaffen willst, wieder aus der Vogelperspektive zu sehen. Dann kannst du fokussiert einsteigen und bist frisch.

Und jetzt ihr!

Was sind eure Lernroutinen? Was bringt euch dazu regelmäßig ein Thema zu studieren? Welche Tipps habt ihr? Und gibt es vielleicht auch die Dinge die euch regelmäßig aufhalten in eurem Lernprozess?

Falls ja oder Falls nein, dann freue ich mich über Kommentare unter dem Post.

Euer Kevin

 

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