Was ist ein Social Business? – 4+ Gründe, Unterschiede und Besonderheiten

Sonnenaufgang für Social Business

Seit nun mehr drei Jahren beschäftige ich mich und arbeite mit dem Thema Social Business. Vorher hatte ich fast gar keinen Bezug zu irgendwelchen Unternehmertum. Gründe dafür waren klassische Vorbehalte, dass Unternehmen nur unangemessen hohe Gewinne einfahren auf Kosten von Umwelt und Arbeitern. Das Bild kam definitiv von den Medien und dem Fakt, dass lieber schlechte Nachrichten gezeigt werden, als gute Nachrichten. Ich bezeichne diese Unternehmen als “normale Unternehmen”. (und gebe zu damit ein wenig zu generalisieren)

Doch über unser Guts for Change Projekt von 2012 kam ich auf den Trichter das Unternehmen ja sogar einen richtig guten Beitrag leisten können für die Gesellschaft. Im Studium hieß es noch Abstrakt “Corporate Social Responsibility (CSR)”. Doch dann kamen auf einmal Unternehmen und Projekte, wie Viva con Aqua, Lemonaid oder die Grameen Bank. Später wurden es auf einmal immer mehr und spätestens seit dem Buch “The Blue Economy” von Gunter Pauli bin ich infiziert mit dem Thema.

Mittlerweile habe ich mit EcoToiletten selber ein Social Business gegründet und hinreichend Erfahrung gesammelt in vielen Gesprächen mit anderen Social Entrepreneuren. Allerdings kam mir selber und auch in Gesprächen mit Freunden ab und an die Frage, was eigentlich der besondere Unterschied von Social Business zu normalen Unternehmen ist, abgesehen von der Zielstellung? Das ist eine gute und berechtigte Frage, denn letztlich funktionieren Social Business auch nur wie andere Unternehmen, da sie die selben Gesetzen der Marktwirtschaft unterliegen und vom Staat auch nicht besonders berücksichtigt werden.

Also was ist das Besondere an Social Business? Wie unterscheidet es sich von normalen Business?

1) Lösen eines gesellschaftlich wichtigen Problems

Der erste Punkt liegt klar auf der Hand, selbst wenn man sich nur ganz oberflächlich mit dem Thema beschäftigt. Die Ausrichtung liegt nicht darin möglichst hohe monetäre Gewinne zu erzielen oder Reich zu werden, sondern darin ein gesellschaftlich wichtiges Problem zu lösen mit Hilfe des Marktes. Das mag banal klingen, bedeutet aber in der Praxis zwei vollkommen andere Praktiken der Strategieausrichtung. Unternehmen, die auf rein monetäre Gewinnmaximierung aus sind, versuchen ein Produkt anzubieten, welches möglichst viele Menschen zu einem möglichst hohen Preis haben wollen. Dabei muss ich mich also auf die Marktnachfrage konzentrieren und wie ich möglichst gutes Marketing machen kann. Manchmal muss ich den Leuten sogar erst sagen, dass sie dieses Produkt haben wollen durch dubiose Salestechniken oder durch Marketing mit leeren Versprechungen. Denn ganz ehrlich, niemand braucht den neusten VW, um glücklich zu sein und auch nicht die Reise in die Karibik für 1700€, um endlich (für 2 Wochen) frei zu sein. Dafür gibt es bessere Wege!

Ein Social Business versucht als obersten Gradmesser (KPI – Key Performance Idicator), den sozialen Impact zu sehen. Wenn in dem Business Modell ein Weg gefunden wurde, wie alle Kosten um das soziale Problem zu lösen durch Einnahmen gedeckt sind, dann muss das Hauptaugenmerk darin liegen den Impact zu erhöhen. Dabei wird dann nicht geschaut, wie man absolut jeden Kostenpunkt senken kann (und damit Qualität mindert), sondern wie man den Impact erhöhen kann in Qualität und Quantität. Dass man dabei achtsam wirtschaftet, regelt dann der Markt in gewisser Hinsicht.

2) Dem sozialen Impact einen monetären Impact gegenüberstellen 

Die Leistung von vielen Social Business ist es, dass sie neue Märkte erschließen und sozialen und ökologischen Problemen einen Geldwert geben. Ein bisschen könnte man auch die Formel aufstellen

Social Business = Non-Profit + gewinnorientiertes Unternehmen.

Denn eine Non-Profit-Organisation versucht ein soziales Problem zu lösen oder darauf aufmerksam zu machen. Allerdings sind in der Regel die einzigen Finanzierungsquellen Spenden und staatliche Förderungen. Das ist kein nachhaltiges Modell! Nur durch das Schaffen von Einnahmen, kann langfristig der soziale Impact gesteigert werden. Leider schaffen rein gewinnorientierte Unternehmen dies nicht, da die Nachfrage der breiten Bevölkerung nicht immer einhergeht mit dem Willen ökologische oder soziale Probleme zu lösen. Ein bisschen weniger abstrakt gesagt:

Die Leute geben lieber ihr Geld aus für Dinge die Ihnen persönlich den meisten Nutzen bringen und nicht zwingend der Allgemeinheit.

Wenn es anders wäre, dann würden wir schon längst in einer gerechteren Welt leben. Die Aufgabe von Social Business ist es also, dass jeder einzelne einen Nutzen durch den Erwerb eines Produktes erfährt, aber “nebenbei” noch an der Lösung von gesellschaftlichen Problemen beteiligt ist.

3) Es wird dem Problem eine breitere Öffentlichkeit gegeben

Wenn man nun ein Produkt hat welches ein eigenes Problem löst und auch noch ein gesellschaftliches Problem, dann wird für Letzteres automatisch mehr Aufmerksamkeit generiert.

Ein gutes Beispiel ist dabei das Unternehmen Soul Bottles, welche unter anderem die Benutzung von Trinkwasser aus der Leitung fördert. Das Trinken von Wasser aus Plastikflaschen ist ein klares Umweltproblem aufgrund der hohen Transportintensivität und dem Produzieren von Müll durch die Flaschen. Leitungswasser ist in aller Regel mindestens genauso gut oder gar besser in der Qualität, wie Flaschenwasser, hat aber einen besseren ökologischen Fussabdruck und ist zudem günstiger. Soul Bottles haben es geschafft, dem Leitungswasser wieder mehr öffentliche Aufmerksamkeit zu schenken und gleichzeitig damit diese Aktivität finanziert. Jeder Kunde von Ihnen hat außerdem eine individuelle, praktische und hübsche Glasflasche erworben, also einen persönlichen Nutzen daraus.

4) Faire Arbeitsbedingungen und in der Regel flachere Hierarchien

Ein weiterer Punkt, der aus den drei Obigen entspringt, ist, dass es auch in den Social Business an sich gute Arbeitsbedingungen gibt. Solche Projekte ziehen clevere Weltverbesserer automatisch an, die an einem guten Miteinander interessiert sind. Vielleicht klingt das in der Vorstellung von einigen jetzt ein wenig Hippiemäßig, aber mal ganz ehrlich, wollt ihr lieber in einem Job arbeiten, wo ihr euch ständig mit allen im Team messt und in dem ihr keinen größeren Sinn seht? Zudem gibt es in den Social Business die ich kenne, auch eher flache Hierarchien. Dies liegt aber wahrscheinlich auch zugegebener Maßen daran, dass viele von denen noch in der Start-Up Phase sind (< 1 Mill.€ Umsatz).

Listenjoe:

Außerdem noch folgende Stichpunkte was nicht anders ist an Social Business, zu “normalen” Business:

  • Auch sie haben Marketing, Vertrieb, Personalmanagement, Buchhaltung und sonstige klassische Unternehmensbereiche.
  • Es muss genauso geschaut werden, wie Prozesse automatisiert und Kosten eingespart werden können.
  • Auch sie zahlen Steuern und alle möglichen Abgaben.
  • Für Investitionen brauchen auch sie Kapital.
  • In gewisser Hinsicht sind auch sie gewinnorientiert. (allerdings in sozialen Gewinn und monetärer Gewinn wird wieder reinvestiert oder gespendet)
  • Die emotionalen und rationalen Gründe, wieso Leute Geld ausgeben für Produkte, gelten auch für soziale Unternehmen.

 

In welchen Punkten ein Social Business es schwieriger hat als ein “normales Business“

  • Es gibt keine oder nur geringe Förderungen von privaten oder staatlichen Fördertöpfen. (und diese reichen maximal für den Start aus)
  • Die Produkte und die Ideen dahinter sind per se erstmal komplizierter. Dadurch entsteht mehr Erklärungsbedarf und mehr zeitlicher Aufwand.
  • Klassische Investoren sind an hohen monetären Renditen interessiert. Das erschwert die Skalierung und damit die Erhöhung des Impacts ungemein.
  • In aller Regel ist die Markteinführung und auch das Wachstum langsamer.
  • Oftmals gibt es noch keinen Blue-Print, also ähnliche Projekte und Unternehmen an denen man sich orientieren kann. Die Produktentwicklung und das Marketing erfordern in der Regel viel Kreativität und Erfindungsreichtum.
  • Wenn “normale Business” auf ein mal CSR – Kampagnen (aka Greenwashing) machen, dann hat man hohen Aufwand sich klar davon abzugrenzen.
  • Die Margen aus den Einnahmen sind in der Regel geringer, was die Entwicklung hemmt.

Und zu guter Letzt, in welchen Punkten ein Social Business klare Vorteile hat im Gegenzug zu „normalen Business“

  • Es ist einfacher eine gute und glaubhafte Story zu erzählen, die die Leute emotional bindet. Das hilft im Marketing und der Markenbildung.
  • Es ist einfacher als soziales Start-Up Unterstützer, Multiplikatoren und Mitarbeiter zu finden, da diese auch an die Mission glauben. Die Kompensation von diesen Arbeitskräften muss deswegen nicht ausschließlich monetär erfolgen und kann so den Start erleichtern.
  • Unter den Social Businesses herrscht ein gutes Netzwerk. Jeder ist hilfsbereit zum Anderen und will in erster Linie auch sehen, dass der andere erfolgreich wird.
  • In vielen Bereichen gibt es noch Bedarf an nachhaltigen und fairen Angeboten und das Interesse an nachhaltigen Produkten steigt zunehmend.
  • Wenn ein Social Business einmal so groß geworden ist, wie sein Konkurrent aus dem normalen Business, dann steht er stabiler da, weil er mehr Wert liefert.
  • Man stellt sich als Gründer oder auch als Arbeitnehmer nicht nach ein paar Jahren die Sinnfrage und kippt das Business, sondern kann sich immer wieder am Zweck der Projektes motivieren.

Woran denkt Ihr wenn Ihr den Begriff Social Business hört? Welche Unternehmen kennt Ihr die nachhaltigen und sozialen Output leisten? Was würdet Ihr gerne noch über das Thema lernen und lesen?

Vielen Dank! Euer Kevin!

 

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