Was ist Verantwortung – Ein Vorschlag

In den letzten Monaten habe ich viel über das Thema Verantwortung nachgedacht. Als Geschäftsführer trage ich natürlich auch viel Verantwortung. Aber es gibt noch tausend andere Bereiche in denen Verantwortung wichtig ist. Was mir aufgefallen ist, dass jeder etwas anderes unter Verantwortung versteht und es Leuten sehr schwer fällt klar Verantwortung zu übernehmen oder abzugeben. Daher habe ich mir Gedanken gemacht was Verantwortung überhaupt ist und wie wir bewusster mit Verantwortung umgehen könnten. In den nächsten Beiträgen wird es auch um verwandte Themen gehen wie Selbstverantwortung oder gesellschaftlicher Verantwortung.
Also was ist Verantwortung?
Verantwortung ist die Übertragung wahrgenommener Sicherheit von einer Person auf die andere.
Die Person die die Verantwortung nimmt kompensiert eigentlich die Unsicherheit des anderen. Verantwortung ist also in gewisser Hinsicht ein ausgleichendes Ventil zwischen wahrgenommener Unsicherheit und wahrgenommener Unsicherheit.
Manche Leute nehmen nach eigenen Worten die Verantwortung offiziell an, doch nehmen sie sie dann nicht richtig an. Das liegt an unterschwelligen Gefühlen und Gedanken die der Präsenz von Sicherheit entgegenstehen. Wie z.B. Unsicherheit, Angst. Man kann sich fragen ob das Verantwortungsgefühl mit dem Gefühl, der subjektiven Wahrnehmung, für Sicherheit in einer Situation korreliert. Das hieße, dass man Verantwortung nur annehmen kann, wenn man sich auch sicher fühlt in dem was man tut. Das wiederum ist ein Widerspruch, da man das Ergebnis des Handels per Definition immer in der Zukunft liegt und wir dadurch nicht zu 100% sicher sein können. Daher könnte man auch keine 100% Verantwortung übernehmen. In der Praxis geschieht es aber trotzdem, da wir immer von inperfekten Tatsachen ausgehen. Die Welt der Gefühle und Gedanken und vor allem der Austausch derer, kann nicht perfekt sein, da jedes Mal zwei nicht 100%ig identische System miteinander kommunizieren. Jede Person denkt und erlebt anders und daher sind unsere Gehirne auch verschieden gestrickt. Lediglich zwei Computerprogramme die in der selben Sprache kodiert sind, können sich zu 100% verlässlich austauschen. Durch diesen natürlichen inperfekten Zustand ist es uns nicht möglich mit absoluter Sicherheit zu handeln und zu kommunizieren und daher kann eine Person auch keine 100%ige Verantwortung übernehmen.
Daher müssen wir annehmen, dass es keine 100%ige Sicherheit gibt, sondern ausschließlich wahrgenommene Sicherheit.
Daraus ergeben sich klare Regeln für die Praxis:
Wenn man Verantwortung annimmt, gelten die folgenden Regeln:
  1. Ich bestätige mir bewusst, dass Verantwortung nicht real ist, sondern lediglich ein Ausgleich von wahrgenommenen Sicherheiten und Unsicherheiten.
  2. Daraus ergibt sich, dass wenn ich merke dass der Verantwortung/Sicherheits-Schwerpunkt bei mir liegt, ich herausfinden muss ob ich Unsicherheiten bei den anderen merke. Nur wenn ich bewusst erfahren habe, dass der Gegenüber weniger wahrgenommene Sicherheit besitzt als ich, kann ich Verantwortung annehmen.
  3. Ich kommuniziere, dass ich Verantwortung übernehme. Das stärkt meine Position und wahrgenommene Sicherheit und stärkt meine Gegenüber. “Ja, ich mach es”
  4. Extraregel: Wenn ich Verantwortung nicht annehmen will, obwohl der Verantwortungsschwerpunkt bei mir liegt, muss ich die wahrgenommene Sicherheit der anderen stärken.
Wenn man Verantwortung abgibt, gelten die folgenden Regeln:
  1. Ich bestätige mir bewusst, dass Verantwortung nicht real ist, sondern lediglich ein Ausgleich von wahrgenommenen Sicherheiten und Unsicherheiten.
  2. Daraus ergibt sich, dass wenn ich merke dass der Verantwortung/Sicherheits-Schwerpunkt nicht bei mir liegt, ich herausfinden muss ob ich Unsicherheiten bei mir feststellen kann. Nur wenn ich bewusst erfahren habe, dass der Gegenüber mehr wahrgenommene Sicherheit besitzt als ich, kann ich Verantwortung abgeben.
  3. Ich stelle mir die Frage, ob ich durch einfache Reflexion der Situation meine Unsicherheit mindern kann und doch die Verantwortung übernehmen kann.
  4. Gebe ich Verantwortung ab, dann kommuniziere ich dies klar und deutlich und vergewisse mich, dass mein Gegenüber dies verstanden hat und die Verantwortung übernimmt. Andernfalls müssen wir gemeinsam einen Dritten finden.

 

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